„Europa muss nicht wiederholen, was in Brasilien nicht funktioniert“
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Freitag, den 06. November 2009 um 22:46 Uhr

Antonio Inacio AndrioliOBERINNVIERTEL/ BURGKIRCHEN. Einen profunden Kenner der Gentechnikszene hat Zivilcourage Innviertel nach Burgkirchen eingeladen, um Bauern und Konsumenten über die Gefahren der Grünen Gentechnik zu informieren.


Ihm wurde mehrmals gedroht, das Mikro aus der Hand gerissen, er wurde von Veranstaltungen wieder ausgeladen, seine Interviews gestrichen. Wie David gegen Goliath kämpft der Brasilianer mit europäischen Wurzeln, Antonio Andrioli, gegen die mächtige Agrar-Gentechnik-Industrie. Auf offene Ohren stieß der Autor des Buches „Die Saat des Bösen“ kürzlich in Burgkirchen. Der ganze Saal im Gasthaus Mauch war gefüllt mit interessierten Bauern aber auch Konsumenten, als der Wissenschaftler über die Agro-Gentechnik und die Gefahren für Natur, Mensch und Landwirtschaft sprach. In knapp vier Stunden brachte Andrioli erschreckende Tatsachen. Das war übrigens Andriolis zweiter Vortrag in Österreich. Eingeladen hatte ihn die neu etablierte Zivilcourage Innviertel, die im Oberinnviertel geboren wurde (die Warte berichtete).

„Die Agrargentechnik ist ein Thema, in dem viel geglaubt wird. In der Wissenschaft ist es allerdings schwierig, nur zu glauben“, sagt Andrioli. 1996 begann der Anbau von gentechnisch verändertem Soja, zuerst in den USA, dann Argentinien und Brasilien. Mit den Argumenten der Befürworter, wie etwa Erhöhung der Produktivität, Senkung der Betriebskosten und Hungerbekämpfung, hat sich Andrioli kritisch auseinandergesetzt und kam zu einem klaren Ergebnis: „Die grüne Gentechnik ist eine gescheiterte Technik“, so Andrioli, „sie funktioniert nicht.“

Kein Gen steigert Ertrag

Alle Hauptargumente hätten sich nicht bestätigt, so wurde auch keine Pflanze entwickelt, die ertragreicher sei als die herkömmliche. „Im Gegenteil. Denn was wurde gemacht? In der DNS der Soja wurden Gene vier verschiedener Lebensarten eingebaut, damit sie nicht mehr von Glyphosat zerstört werden kann. Mehr nicht. Wie kann man glauben, dass die Pflanze ertragreicher sei? Es gibt kein Gen, das für den Ertrag zuständig ist. Ergebnisse zeigen, dass die herkömmlichen Sojasorten im Vergleich zu Gensoja ertragreicher sind“, sagt Andrioli.

Auch das zweite Argument, man könne billiger produzieren, sei Irrglaube und sonst nichts. Die Einführung der herbizidresistenten Sojabohne solle zur Verringerung der Herbizidmengen und folglich zur Verringerung der Betriebskosten führen. „Die Bauern in Brasilien müssen nach zehn Jahren Gensoja-Anbau immer mehr spritzen, weil dies zu einer Resistenz führte. In Brasilien gibt es mittlerweile 15 Unkräuter, bei denen Glyphosat nicht wirkt“, sagt Andrioli. Außerdem müsse man die Kosten des teuren Saatgutes dazurechnen. Andrioli: „Die Anbieterunternehmen profitieren somit doppelt: mit dem Saatgut und mit dem Herbizid“.

Hunger nicht gestillt

Auch die Hungerbekämpfung war nach Andrioli ein fadenscheiniges Argument. Der Hunger ist geblieben, „das Produzieren wurde teurer, hinzu kommen die Lizenzen, weshalb viele Bauern aufhören mussten. Nun haben wir weniger Bauern und somit ist der Zugang zu den Lebensmitteln schwerer“, sagt Andrioli. An dieser Stelle kam die Abhängigkeit der Bauern durch die Patentierung der Pflanzen und den Eigentumsrechten zur Sprache. „Das waren alles Fallen. Es hat nicht funktioniert. Und warum sollte man in Europa glauben, dass es hier anders wird? Europa muss nicht das wiederholen, was in Brasilien nicht funktioniert hat“, appelliert Antonio Andrioli an die Vernunft der Bauern und Konsumenten.

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*http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/braunau/art14857,283659