Auswirkungen der Gentechnik auf die Gesundheit – Teil 2 PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 10. Dezember 2008 um 01:00 Uhr

 

transgenicos
In Brasilien haben Wissenschaftler der  Universität von Curitiba bei 74% der Proben bis zu 14 Milligramm Rückstände des Herbizids pro Kilogramm Gensoja nachgewiesen, was weit über dem Grenzwert liegt, der in der brasilianischen Pflanzenschutzgesetzgebung vorgeschrieben ist (xe "zzzSkalisz"Skalisz 2005).[4] Da circa 80% der Soja in Futtermittel gelangt und auf die entsprechende Kennzeichnung für Fleisch, Eier und Milch in der Gesetzgebung der Europäischen Union verzichtet wurde, wäre eine Untersuchung der Auswirkungen von Glyphosat-Rückständen bei Gensoja auf den Organismus von Schweinen, Kühen und Geflügel von großer Bedeutung, auch im Hinblick auf die Interessen der Konsumenten solcher Produkte. 3. Wie reagiert der Mensch?

Ob die Auswirkungen, die bei Ratten festgestellt wurden, auch auf den menschlichen Organismus übertragbar sind, bleibt weiter ungeklärt. Abgesehen davon, ist die Frage der Rückstände von Roundup und dessen Wirkungen auf die menschliche Gesundheit bei der Gensoja jedoch von besonderer Bedeutung. Seit Anfang der neunziger Jahre wird Round­up in Brasilien als Herbizid verwendet, womit es möglich wurde, die „direkte Aussaat“[5] einzuführen. Bei Gensoja ist es möglich, dass Roundup auch während der Wachstumsperiode gespritzt wird, was zusammen mit dessen übermäßigem Einsatz auf Grund der Resistenzbildung von Unkräutern die Wahrscheinlichkeit für Rückstände er­­höht. Das Herbizid Roundup besteht aus Glyphosat, xe "Isopropylaminsalz"Isopropylaminsalz, xe "Polyoxyethylen-Alkylamin"Polyoxyethylen-Alkylamin und Wasser. Obwohl die WHO die akute xe "Toxizität"Toxizität von Glyphosat im Vergleich zu anderen Wirkstoffen als gering einschätzt, sind bereits gesundheitliche Schäden bei Tests an Säugetieren festgestellt worden, die sowohl auf die Nebenwirkungen des Wirkstoffs hinweisen als auch auf die Wirkungen der weiteren Inhaltstoffe von Roundup und dessen Kombination mit anderen Stoffen im Boden und lebenden Organismen. Roundup enthält bis zu 15% des oberflächenaktiven Stoffes POEA (Polyoxyethylen-Alkylamin), das für die Surfactant-Wirkung zuständig ist, d.h. es reduziert die Oberflächenspannung der Pflanze, damit der Wirkstoff des Herbizids besser in das pflanzliche Gewebe eindringen kann. Die Wirkung dieses Zusatzstoffs ist nach Kaczewer für die Zerstörung von Leber- und xe "Nierenfunktionen"Nierenfunktionen bei Tieren verantwortlich (xe "zzzKaczewer"Kaczewer 2002). Da die meisten Untersuchungen des Herbizids ausschließlich den Wirkstoff Glyphosat isoliert im Labor betrachten, wird die gesamte Formel von Roundup vernachlässigt, deren akute Toxizität bei Versuchen mit Ratten sich im Vergleich zu dem einzelnen Wirkstoff als viel stärker erwies (Cox 1998; Martinez/Brown 1991).

4. Krebs und Reproduktionsschäden

Besonders wichtig sind die Untersuchungen, die sich auf die möglichen Reaktionen des Glyphosats im Boden konzentrieren. Es wurde fest­gestellt, dass während des Abbaus von Glyphosat im Boden eine krebserregende Substanz gebildet werden kann, nämlich Formaldehyd, und dass Glyphosat in Kombination mit Nitraten im Boden Nitroglyphosat bildet, einen Stoff, der seit langem für die Auslösung von xe "Leberkrebs"Leberkrebs bekannt ist. (Kaczewer 2002) Wichtig sind auch chronische Effekte von Glyphosat, die besonders auf den Hautkontakt mit dem Produkt zurückzuführen sind. Dies betrifft nicht nur Lebewesen mit einer dünnen, durchlässigen Haut wie Frösche, sondern auch Menschen. xe "zzzHardell"Hardell und xe "zzzEriksson"Eriksson vermuten aufgrund ihrer Untersuchungen in Schweden, dass ein Zusammenhang zwischen einem langfristigen Kontakt mit Glyphosat und kanzerogenen Effekten wie dem xe "Non-Hodgkin-Lymphom"Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)[6] besteht (xe "zzzHardell"Hardell/xe "zzzEriksson"Eriksson 1999).

Ein weiteres Feld, das im Mittelpunkt der Untersuchungen steht, bezieht sich auf die Auswirkungen von Roundup auf die Reproduktion von Säugetieren, denn hier wurde sowohl eine verringerte Libido als auch ein geringeres Ejakulatvolumen festgestellt (xe "zzzYousef"Yousef et al. 1995). Dies wird dadurch erklärt, dass Rückstände von Roundup die Synthese von Steroiden im Organismus und das Regulationsprotein StAR (steroidogenic acute regulatory protein) hemmt (xe "zzzWalsh"Walsh et al. 2000). Dies wurde in Brasilien von xe "zzzDallegrav Eliane"Eliane Dallegrave an der Universität aus Porto Alegre bestätigt, die bei ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis kam, dass folgende xe "Reproduktionsprobleme"Reproduktionsprobleme bei Wistar-Ratten auftauchen, die in Kontakt mit Roundup kamen: a) ein größerer Anteil an anomalen Spermatozoen; b) eine geringere tägliche Spermatozoenproduktion; c) Veränderungen bei der Entwicklung der Testikelgewebe (Dallegrave et al. 2003).

Die verfügbaren Untersuchungen lassen vermuten, dass die Auswirkungen von Roundup bei erhöhtem Einsatz in Verbindung mit der herbizidresistenten Soja weiter intensiviert werden. Das Herbizid ist zum wichtigsten Verursacher von Intoxikationen in Brasilien geworden, mit allein 11,2% der gesamten xe "Vergiftungsfälle"Vergiftungsfälle zwischen 1996 und 2002 (xe "zzzBenatto"Benatto 2002). Nach dem brasilianischen Institut für Umwelt und erneuerbare Ressourcen IBAMA ist der Verkauf des Wirkstoffs Glyphosat in Rio Grande do Sul zwischen 1998 und 2001 (Periode der Einführung der Gensoja) von 3,85 Tonnen auf 9,13 p.a. Tonnen gestiegen. Die offiziell registrierten Vergiftungsfälle sind nach dem xe "zzztoxikologischen Informationszentrum"toxikologischen Informationszentrum von Rio Grande do Sul zwischen 1999 und 2002 von 31 auf 119 gestiegen (IBAMA 2003).

 

Literatur:

Benatto, A. (2002): Sistemas de Informação em Saúde nas Intoxicações por Agrotóxicos e Afins no Brasil: situação atual e perspectivas.  Campinas: UNICAMP.

Cox, C. (2003): Glyphosate (Roundup). Journal of Pesticide Reform 18: 3–17. Downoload: <http://www.pesticide.org/gly.pdf> (30.10.2005).

Dallegrave, E./Mantese, F./Coelho, R./Pereira, J./Dalsenter, P./Langeloh, A. (2003): The teratogenic potential of the herbicide glyphosate-Roundup® in Wistar rats.  Toxicology Letters,  Vol. 142: 45-52.

Hardell, L./Eriksson, M.(1999): A case-control study of non-Hodgkin lymphoma and exposure to pesticides. Cancer 85: 1353-1360.

Ibama - Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis. (2003): Relatórios de consumo de ingredientes ativos de agrotóxicos e afins no Brasil - anos 1998 a 2001.  Brasília: IBAMA.

Kaczewer, J. (2002): Toxicologia del glifosato: riesgos para la salud humana. En: La Producción Orgánica Argentina 60: 553-561.

Martinez, T. T./Brown, K. (1991): Oral and pulmonary toxicology of the surfactant used in Roundup herbicide. Proceedings of the Western Pharmacology Society 34: 43–46.

Skalisz, R. (2005): Contaminação tóxica da soja transgênica. Folha de Londrina, Londrina, 16.07.2005.

Walsh, L./Mccormick, C./Martin, C./Stocco, D. (2000): Roundup inhibits steroidogenesis by disrupting steroidogenic acute regulatory (StAR) protein expression. Environ Health Perspect, Nr. 108: 769-776.

Yousef, M. I./Salem, M. H./Ibrahim, H. Z./Helmi, S./Seehy, M. A./Bertheussen, K. (1995): Toxic effects of carbofuran and glyphosate on semen characteristics in rabbits. Journal of Environmental Science and Health, Vol. 30, Nr. 49: 513–534.

 

[4] Der Grenzwert wurde 2004 aufgrund der Debatte um die Freisetzung der Gensoja von 0,2 mg/kg auf 10 mg/kg erhöht. Gleichzeitig wurde auch die Freigabe des Glyphosat als Spritzmittel in der Pflanzenschutzgesetzgebung neu geregelt, denn vorher war dessen Einsatz auf Nutzpflanzen verboten. Damals wurde das Totalherbizid gebraucht, um die Soja künstlich zu trocknen, wenn sie vom Schädling Nezara viridula betroffen war, dessen Angriff dazu führte, dass die betroffene Soja nicht reifte und dadurch die Ernte erschwerte. Das Verbot bezog sich auf die Gefahr der Übertragung von Rückständen auf die Soja.

[5] Vor der Saat wurde das Totalherbizid gespritzt, um die gesamte Vegetation abzutöten und danach direkt säen zu können, also ohne Pflug- und Eggeneinsatz.

[6] Eine Erkrankung, bei der sich bösartige Krebszellen im Lymphsystem entwickeln.